Freitag, 14 Dez 2018
Du bist hier: Start Aktuell Schreckensszenario spielt sich ab

Hauptmenü

Anmeldung



Wer ist online

Wir haben 26 Gäste online
Schreckensszenario spielt sich ab PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: HKnochi   
Sonntag, den 04. April 2010 um 00:00 Uhr
VON KLAUS-DIETER KUNICK, 31.03.10, 19:37h, aktualisiert 31.03.10, 22:26h
Schauplatz Bergschule Weißenfels
Schauplatz Bergschule Weißenfels: Nach einem simulierten Amoklauf tragen Sanitäter einen Verletzten zu einem nahe gelegenen Zelt. (FOTO: HARTMUT KRIMMER )

WEISSENFELS/MZ. Ein ehemaliger Schüler der Bergschule in Weißenfels verschafft sich am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr Zutritt zum Gebäude - auf mehreren Etagen und in Klassenzimmern schießt er mit einer Pistole wild um sich. Er tötet zwei Menschen und verletzt 15 weitere schwer und sieben leicht. In Windeseile wird das Gebiet rings um die Schule abgesperrt, zig Rettungsfahrzeuge des DRK stehen bereit, Sirenen heulen auf, Passanten verfolgen neugierig das Geschehen. Was in Wahrheit einem Schreckensszenario gleichkommt, ist aber lediglich eine Übung.

Echter hätte die nicht aussehen können. Nach gut einer Stunde bringen Sanitäter die ersten Verletzten aus der Schule und tragen sie zu einem nahe gelegenen Zelt, in dem sie medizinisch versorgt werden. Die "Rolle" der verletzten Schüler übernehmen Mitarbeiter der Landesrettungsschule und der Bereitschaftspolizei. "Wenn ich mir vorstelle, dass das im richtigen Leben passiert, läuft es einem kalt den Rücken runter", so Hagen Nenast (22), der im Zelt liegt und einen Schwerverletzten "spielt". Im Normalfall hätte er wahrscheinlich gar nicht reden können, denn Nenast bekommt einen Bauchschuss ab. Rettungsassistent Denis Surek ist gerade mit der Vorbereitung und Verabreichung einer Infusion befasst, außerdem legt er eine Decke über den jungen Mann, um ihn vor der Kälte zu schützen.

Zu denen, die zuerst in die Schule einrücken, gehören die Polizeiobermeister Detlef Gräfe und Bernd Wolf. "Das geht einem durch und durch", erklärt Gräfe als er zurückkehrt. Schließlich müssen sie beim Vorrücken in der Schule Tote, Verletzte und Wimmernde zunächst zurücklassen. Das Fassen des Täters hat in dem Moment Vorrang. "Alles, aber auch wirklich alles war unheimlich realistisch dargestellt, bis hin zum Blut, das überall zu sehen war", bemerkt Gräfe. Und Wolf: "Es kostet unheimlich viel Überwindung." Der Einsatz ging an den beiden Männern nicht spurlos vorbei. Zeichen der Mitgenommenheit sind unübersehbar.

"Es ist wichtig, dass solche Übungen stattfinden", sagt Annett Hirscher, die Leiterin der DRK-Notfallbegleitung Weißenfels, die mit einer Kollegin ebenfalls vor Ort weilt. Man müsse darauf vorbereitet sein. Dieser Auffassung schließt sich ein Passant an. Der jüngere Mann meint, dass es richtig sei, hier zu proben. Schließlich sei das nicht alltäglich und jeder müsse dann wissen, was zu tun ist. Doch die Übung löst bei einigen in dem Umfeld wohnenden Bürgern Unverständnis aus. Ein älteres Ehepaar beschwert sich bei der Polizei, dass sie nicht an ihr Auto kommen, um zum Einkauf zu fahren. Murrend ziehen sie ab.

"Der Einsatz kommt für uns vollkommen überraschend, wir haben wirklich von nichts gewusst", sagt Mike Müller, Bereichsleiter Rettungsdienst des DRK Weißenfels. Selbst eine schnelle Einsatzgruppe des erweiterten Rettungsdienstes ist hinzugezogen worden. Aufgebaut wird vor Ort ein Suchdienst. Alle Verletzten und Helfer werden registriert, so die ehrenamtliche DRK-Mitarbeiterin Anita Jirsak. Immerhin könne der Helfer selbst zum Opfer werden.

Mike Müller schätzt am Ende ein, dass die Übung gut verlaufen sei, die Koordinierung aller Einsatzkräfte habe geklappt. Das sieht auch Kriminaldirektor Andreas Leopold von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt-Süd in Halle so. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung von Menschen bestanden. Das Gebäude sei zum Zeitpunkt der Übung leer gewesen, Kinder der benachbarten Grundschule hatten am Mittwochvormittag einen Ferienausflug unternommen. Sie sollten das nicht miterleben.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung



Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 01. März 2013 um 15:50 Uhr