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Gelbes Pulver auf der Straße löst einen Großeinsatz aus PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: HKnochi   
Sonntag, den 11. Juli 2010 um 00:00 Uhr
VON KLAUS-DIETER KUNICK, 09.07.10, 21:10h, aktualisiert 09.07.10, 21:27h
Feuerwehr richtete Dekontaminationsraum ein
Die Feuerwehr richtete in einer Nebenstraße einen Dekontaminationsraum ein. (FOTO: ALEXANDER BLEY)

 

WIEDEBACH/MZ. Großeinsatz nach einem Sirenenalarm für fünf Feuerwehren gestern in Wiedebach: Vermutlich in der Nacht zum Donnerstag hatte ein Fahrzeug ein gelbliches Pulver auf der Johann-Sebastian-Bach-Straße des Ortes transportiert und stellenweise verschüttet. Zwar kehrten am Morgen Gemeindehandwerker dieses zusammen und die Langendorfer Feuerwehr spülte den etwa 150 Meter langen Bereich mit Wasser ab, doch kurze Zeit später klagten Anwohner über Brechreiz und Übelkeit. Daraufhin habe die Feuerwehr Langendorf eine Untersuchung des Pulvers veranlasst, so Kreisbrandmeister Hans-Willi Schubert.

"Wir wissen derzeit lediglich, dass es sich um ein hochgiftiges Mittel handelt", sagte der stellvertretende Stadtwehrleiter Steve Homberg. Kurzerhand ließ er den Abschnitt der Straße gegen 11 Uhr sperren. Nichts ging mehr. Kein Auto, kein Fußgänger durfte sie passieren. Homberg ließ zwei Kameraden in Schutzmasken von Haus zu Haus gehen, um die Bewohner in Sicherheit zu bringen.

Ein Bürger, der gegen 5 Uhr aufgestanden sei, habe das Pulver wahrgenommen. Er habe sofort ein Kratzen im Hals verspürt. Ein vorbeifahrender Bus habe das Pulver dann hochgewirbelt. Im Schlafzimmer eines anderen Anwohners sehe es überall gelblich aus. Eine Frau lief aufgeregt zum stellvertretenden Amtsarzt Frank Fernau: "Ich mache mir großen Sorgen, meine Tochter ist schwanger", erklärte sie ihm. Am Morgen sei sie mit dem Enkel die Straße entlang gelaufen. "Uns war beiden übel, wir waren kurz vor dem Erbrechen", ergänzte sie.

Erst im Verlauf des Tages stellte sich dann heraus, dass es ein Pflanzenschutzmittel aus DDR-Zeit war, das in konzentrierten Mengen gesundheitsschädlich ist. Drei Anwohner sind ärztlich behandelt worden, bestätigte Mike Müller, Bereichsleiter Rettungsdienst des DRK Weißenfels. Gegen Mittag spitzte sich die Lage zu. Mehr und mehr Einwohner versammelten sich am Einsatzort. Eine Frau schimpfte, dass sie den Aufwand überhaupt nicht nachvollziehen könne, zu DDR-Zeit habe man das Zeug in das Waschbecken gekippt. Eine Frau sah es nicht so verbissen, obwohl ihre Blumen gelitten hatten. Die könne man ersetzen, sagte eine andere, Menschenleben nicht. Kurze Zeit später bestätigte Fernau, dass das Pulver nur für den schädlich sei, der es in größeren Mengen inhaliert. Er habe sich mit dem Giftinformationszentrum in Erfurt beraten. Fernau: "Jeder, der spürt, dass es ihm gesundheitlich nicht gutgeht, kann sich beim Notarzt melden." Um 13.30 Uhr kehrten die Einwohner in ihre Häuser zurück. Die gelbe Substanz sei gebunden und abgesaugt worden, so Schubert. Die Polizei nahm die Ermittlungen zum Verursacher und zur Herkunft der Substanz auf.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung



Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 01. März 2013 um 15:49 Uhr